Nachwachsende Rohstoffe als Verpackung: von Paper Blend über Graspapier zu Kork

Kneipp setzt für seine Verpackungen nachwachsende Rohstoffe, wie beispielsweise Gras

Nachwachsende Verpackung – klingt ziemlich gut, oder? Finden wir auch. Natürlich wachsen unsere Kappen, Deckel und Flaschen nicht an Bäumen. Deshalb geben wir unser Bestes, in immer mehr Verpackungen nachwachsende Rohstoffe zu nutzen. Bis 2025 wollen wir keinen Kunststoff mehr in unseren Verpackungen verwenden. Das schaffen wir nicht von heute auf morgen, doch es geht voran:

Paper Blend: sieht aus wie Plastik, ist aber eher Papier

Graspapier: wächst schnell und verpackt ausgezeichnet

Kork: vom Abfallprodukt zur Verpackungsschönheit

Paper Blend: aus nachwachsenden Rohstoffen

Wenn du die neue Kappe unserer Lippenpflege in die Hand nimmst, wirst du nicht glauben, dass das kein Plastik ist. Und genau das ist das Besondere an Paper Blend. Es hat alle Vorteile, die eine Kunststoffverpackung so praktisch machen – stabil, schützt vor Feuchtigkeit, hygienisch – aber es besteht aus biobasierten, nachwachsenden Rohstoffen. Genauer gesagt: zu 99 Prozent aus Rohstoffen, die wir von ganz normalem Papier kennen.

Philipp Keil leitet das Packmittelmanagement bei Kneipp und erklärt uns, was es genau mit diesem Material auf sich hat: „Paper Blend besteht zu 99 Prozent aus Inhaltsstoffen, die auch zur Papierherstellung genutzt werden – also vor allem aus Zellulose und mineralischen Additiven. Es ist komplett frei von Erdöl. Um Elemente aus Paper Blend einzufärben, wird bis zu einem Prozent PLA verwendet, das ebenfalls natürlichen Ursprungs ist. Es wird meist aus Maisstärke gewonnen, zählt aber aufgrund der nötigen Verarbeitung zu den Kunststoffen. Um dieses eine Prozent kommen wir aktuell leider noch nicht herum.“

Das Gute: Sollte die Kappe aus Paper Blend in die Umwelt gelangen, zersetzt sie sich zu Biomasse – am Ende bleiben nur CO2 und Wasser. Deshalb hat unsere Kappe das Zertifikat OK Compost nach EN13432 erhalten. 

Die Paper-Blend-Kappe unserer Lippenpflege ist also eine biologisch abbaubare Verpackung und grundsätzlich zur Kompostierung geeignet. 
„Allerdings stehen wir aktuell noch vor der Herausforderung, dass die Kompostwerke alle nach Fehlwürfen aussehende Materialien, wie beispielsweise Plastik, aussortieren. Deshalb empfehlen wir derzeit die Entsorgung im gelben Sack. Denn Paper Blend ist nicht nur kompostier-, sondern auch recycelbar“, erklärt Philipp. Aus den alten Kappen könnten also wieder neue werden. 
Aufgrund der derzeit noch unklaren Situation mit den Prozessen der Entsorgungsbetriebe haben wir uns entschlossen, ein eigenes Rücknahmesystem in unseren Kneipp Shops anzubieten. Dieses wird im Lauf der Sommermonate verfügbar sein.

Eingesetzt wird Paper Blend zunächst bei unserer neuen Lippenpflege Samtweich. Damit sind wir der erste Hersteller weltweit, der dieses neue Material nutzt und damit sein Verpackungsportfolio Schritt für Schritt deutlich nachhaltiger gestaltet.

Der Lippenbalsam selbst besteht vollständig aus natürlichen Inhaltsstoffen und pflegt die Lippen mit Aprikosenkernöl und Marulaöl.
Die bereits bestehenden Sorten der Kneipp Lippenpflege werden im Lauf dieses Jahres ebenfalls umgestellt und erhalten die Kappe aus Paper Blend. Unverändert bleiben die weiteren Verpackungsbestandteile, der untere Teil der Hülse aus Kork und die Faltschachtel aus Graspapier.

Graspapier: wächst und wächst und wächst nach

Nachhaltigkeit und ausgezeichnetes Design sind kein Widerspruch. Das beweist die Auszeichnung unserer Lippenpflege-Faltschachtel mit dem German Design Award 2020: „Die markante Verpackung aus Graskarton duftet angenehm natürlich, ist auch haptisch fühlbar und unterstreicht damit auf originelle Art und Weise das Markenversprechen“, lautete die Begründung der internationalen Expertenjury. 

Natürlich freuen wir uns über dieses Lob. Bei der Verpackungsentwicklung standen allerdings andere Kriterien im Mittelpunkt. Denn Graspapier hat entscheidende Vorteile in Sachen Nachhaltigkeit.

Das Offensichtliche zuerst: Gras ist ein nachwachsender Rohstoff – und zwar einer, der besonders schnell nachwächst. Jeder, der regelmäßig im Garten seinen Rasen mähen muss, kann ein Lied davon singen. Was den Kleingärtner nervt, ist für uns allerdings ein großer Vorteil.

Es gibt aber noch mehr Wissenswertes, ergänzt Philipp: „Das Gras für unser Graspapier stammt von Ausgleichsflächen in Deutschland. Durch die kurzen Transportwege vermeiden wir unnötige Mengen schädlicher Treibhausgase. Darüber hinaus werden bei der Herstellung des Graspapiers rund 3.000 Liter weniger Wasser pro Tonne benötigt, als bei handelsüblichem Papier aus 100 Prozent sulfatbasiertem Zellstoff." 

Aktuell besteht unsere Faltschachtel aus Graspapier mit 25 Prozent Grasanteil. Wir arbeiten jedoch daran, den Grasanteil weiter zu erhöhen. 

Vom Abfallprodukt zur Verpackungsschönheit: unsere Kork-Hülsen

Über Trends kann man sich ja streiten. Aber Upcycling ist definitiv ein Trend mit Sinn. Und wir machen mit. Denn auch unsere Verpackungselemente aus Kork haben eine wenig glamouröse Vorgeschichte: Ob Verschnitt aus der Weinkorkenproduktion, von Gin-Deckeln oder der Herstellung von Korkböden – unser Kork war mal Abfall. Sogenannter Post Industrial Waste. Viel zu schade für die Tonne. 

Wir nutzen den Kork deshalb für unsere Lippenpflege-Verpackung. Die untere Hülse besteht aus einem Korkgemisch mit 70 Prozent Korkanteil. Das Material ist sogar Ecocert- und Cosmos-konform. 
„Dass wir für unsere Verpackungen Korkabfälle verwenden können, ist ein tolles Beispiel für ressourcenschonendes Arbeiten. Davon abgesehen ist Kork auch an sich schon ein nachhaltiges Material, und vor allem ein nachwachsender Rohstoff“, erläutert unser Verpackungsexperte Philipp. „Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen. Das Besondere: Die Korkeiche bildet ihre Rinde nach, sodass immer wieder geerntet werden kann, ohne dem Baum zu schaden." 

Korkeichenwälder, natürliche und angepflanzte, stellen einen widerstandsfähigen, sehr dürre-resistenten Lebensraum dar und beherbergen eine große Artenvielfalt. Sie helfen außerdem, der Versteppung entgegenzuwirken und binden wie alle Wälder Kohlenstoffdioxid.

Über: Philipp Keil

Philipp Keil ist Head of Packaging Materials Management und hat damit aktuell wohl einen der spannendsten Jobs bei Kneipp. Denn in Sachen nachhaltige Verpackungen tut sich einiges. Insbesondere, wenn es um den Einsatz nachwachsender Rohstoffe in Verpackungen geht, stellen sich regelmäßig neue Herausforderungen für Philipp und sein Team. Schließlich handelt es sich hier um Materialien, für die es keine oder nur wenig Erfahrungswerte gibt. Paper Blend wird weltweit erstmals von Kneipp als Verpackung eingesetzt. Auch Kork und Graspapier gab es zuvor nicht als Verpackung für Kosmetikprodukte. Entsprechend viel Geduld und Lust an zahlreichen Tests ist gefragt. Die Mühe zahlt sich aus – denn nur so kommen wir unserem Ziel näher, bis 2025 keine Kunststoffe mehr in unseren Verpackungen zu nutzen.

Philipp Keil auf LinkedIn

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