Ganz schön smart, auch ohne Phone: Smartphone-Detox

Ständig rattert, blinkt, klingelt es – unsere Smartphones sind im Dauereinsatz und gönnen uns keine Auszeit. Wer sich wieder ein bisschen mehr nach realer Welt sehnt, für den gibt es Hoffnung: Sie lautet Smartphone Detox.

Neben dem Bett, beim Kochen, sogar auf der Toilette – unsere Smartphones folgen uns auf Schritt und Tritt. Noch nie war Technik so omnipräsent wie heute. Rund 80 Mal am Tag entsperrt der durchschnittliche Nutzer laut Untersuchungen sein Smartphone – also ungefähr alle zwölf Minuten. Das Ding in unseren Händen hat unsere volle Aufmerksamkeit. Wir zücken unser Mobilgerät oft schon ganz routinemäßig: beim Warten auf den Zug, um die Uhrzeit herauszufinden oder nach dem Weg zu schauen. Push-Benachrichtigungen zwingen uns zum Handy-Griff. Die Aktualisierungsfunktion in jeder App füttert uns im Sekundentakt mit Neuigkeiten, Likes und Kommentaren. Wer kann nicht ein Lied davon twittern?

Doch je höher der digitale Stressfaktor, desto häufiger steigt in vielen Menschen die Sehnsucht nach Smartphone-Urlaub auf. Wir wollen weg von Facebook, Instagram und Co. hin zur realen Welt, in der Menschen miteinander reden und in echten Zeitschriften blättern. Die gute Nachricht lautet: Sozialer und virtueller Druck lassen sich wirklich bändigen. Smartphone-Detox heißt die Gegenbewegung zum Digitalkonsum. Was nicht bedeutet, das Handy komplett aus dem Alltag zu verbannen. Schließlich erleichtert es das Leben ja auch ungemein. Vielmehr ist es eine Entschlackung mit dem Ziel, sich den Verlockungen der Online-Welt nicht mehr einfach unreflektiert hinzugeben, sondern bewusster zu konsumieren, Sonnenuntergänge und andere schöne Alltagsmomente zu genießen – statt sie zu liken, zu teilen oder zu kommentieren.

Wie so eine Kur aussehen kann, zeigen die nachfolgenden Tipps. Und vielleicht machen uns die smarten Begleiter danach sogar wieder mehr Spaß.

„Vergesst mal eure Apps und erlebt endlich wieder Abenteuer.“

Louisa Dellert ist Bloggerin und inspiriert ihre Leser rund um die Themen Laufen, Nachhaltigkeit und Selbstliebe. Für ihre Beiträge und Posts verbringt die 27-Jährige täglich mehrere Stunden am Handy. Wie sie sich dennoch analoge Freiräume schafft, erzählt sie uns im Interview.

 

Louisa, wie oft schaust du täglich schätzungsweise auf dein Smartphone?

Leider viel zu oft. Das weiß ich, seitdem ich meine Nutzungsdauer auf dem Handy tracke. Im Durchschnitt sind es bei mir sechseinhalb Stunden pro Tag. Als Bloggerin ist neben dem Laptop das Handy eben mein wichtigstes Arbeitsutensil.

Welchen Stellenwert hat dein Smartphone für dich?

Mein Handy ist gleichzeitig auch mein Arbeitsplatz. Ich schreibe, fotografiere, poste oder recherchiere mit ihm. Damit nimmt das Gerät einen sehr hohen und wichtigen Stellenwert in meinem Leben ein. Es erleichtert meinen Job ungemein.

 

 

Hast du es immer zur Hand oder griffbereit?

Ja, aber dabei geht es weniger um die Erreichbarkeit und mehr ums Bloggen. Ich möchte schnell auf Leserkommentare reagieren können oder eine Situation festhalten und direkt posten.

 

 

Auf welche Apps könntest du verzichten?

Auf meine Lauf-App, Facebook und Pinterest. Die nutze ich sehr selten und für meine Tätigkeit sind sie nicht relevant.

 

Auf welche Apps könntest du nicht verzichten?

Auf Instagram und meine Mail-App. Sie halten mich auf dem Laufenden. Zudem muss ich mit diesen Apps ja ständig arbeiten.

 

 

Hast du dir schon mal eine Auszeit von der digitalen Welt genommen? Wenn ja, wie lange hast du es durchgehalten und wie erging es dir während dem Detox?

Ja, ich habe mich tatsächlich schon mal einer Smartphone-Entgiftung unterzogen. Während meines Schweden-Urlaubs hab ich mich ganze zwei Tage von der digitalen Welt abgeschottet. Stattdessen habe ich mich mal ganz bewusst der Natur und der Umgebung gewidmet. Wortwörtlich abzuschalten ist aber gar nicht so einfach, wenn man sechs Stunden Nutzung am Tag gewöhnt ist. Aber ich kann sagen, die zwei handyfreien Tage haben mir wirklich sehr gut getan. Sie haben mich daran erinnert, dass es Dinge im Leben gibt, die um Weiten schöner sind, als ständig auf sein Handy zu gucken.

 

Was waren die Reaktionen deiner Blog- und Instagram-Fans auf die Funkstille?

Darüber hatte ich mir anfangs auch Gedanken gemacht. Aber dann war es halb so schlimm. Viele haben das gar nicht mitbekommen, weil sie selbst viel zu beschäftigt waren. Die Welt hat sich auch mit Handy-Abstinenz weitergedreht. (lacht)

 

 

Wie schützt du dich vor einer Smartphone-Überdosis?

Bisher leider noch gar nicht wirklich. Inzwischen habe ich aber wieder angefangen, viel zu lesen. Das hilft mir dabei, mein Handy auch mal wirklich zur Seite zu legen – zumindest für eine Weile.

 

Beantwortest du Nachrichten auf der Stelle und schaust du dir Push-Benachrichtigungen immer sofort an?

Die Funktion Push-Benachrichtigung habe ich ausgestellt und ich beantworte Nachrichten einfach dann, wenn es passt. Da lass mich nicht unter Druck setzen und sehe das eher entspannt.

 

 

Wie ist deine Einschätzung: Haben wir überhaupt noch einen Blick für unsere Umgebung?

Meiner Meinung nach, nicht genug. Wir sollten uns definitiv mehr dazu zwingen, mal einen Freund anzurufen und uns nach ihm zu erkundigen, mehr rauszugehen, mehr zu unternehmen. Unsere Generation ist diesbezüglich ziemlich bequem und unaufmerksam geworden. Wir brauchen mehr Entdeckergeist. Das schaffen wir aber anscheinend nur, wenn das Handy mal im Ruhemodus verharrt.

 

Gibt es Bereiche, in die du niemals dein Smartphone mitnehmen würdest?

Wenn ich in die Sauna gehe, Yoga mache oder eine Kirche besuche, dann lass ich mein Smartphone im Auto oder daheim – als Zeichen des Respekts und weil ich an diesen Orten auch selbst mal meine Ruhe haben möchte. Außerdem könnten sich durch mein Smartphone andere gestört fühlen. Das will ich vermeiden.

 

 

Wie hast du die Ära vor Smartphone und Apps in Erinnerung?

Ich gehöre ja noch zu der Generation, die ohne Handy aufgewachsen ist. Da blieb viel Zeit, um mit meinen Freunden auf dem Spielplatz oder im Wald zu spielen. Heute kann ich mir ein Leben ohne Handy kaum mehr vorstellen. Alles, was wir tun, ist irgendwie abgestimmt auf diese Geräte. Sie jedoch ab und zu auszuschalten, hilft, es nicht zu übertreiben und sie bewusster zu konsumieren.

 

Was ist dein ultimativer Erholungstipp für die smartphoneerschöpften Leser?

Ich empfehle, Wanderschuhe anzuziehen und loszuzulaufen. Wichtig: Das Handy bleibt im Rucksack. Vergesst mal eure Apps und erlebt endlich wieder Abenteuer.

 

 

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