Honig im Kopf – Bienen vor der Tür: Stadtimkern liegt im Trend

Immer mehr Stadtbewohner entdecken Imkern als Hobby für sich. Eine von ihnen ist Anita Wohlfarth.

Es summt. Auf dem Abgeordnetenhaus in Berlin, auf Hochhäusern in Kopenhagen, auf dem Dach der Garnier-Oper in Paris und auch auf dem Stuttgarter Rathaus. Besonders in den Monaten März bis September, wenn die Bienen mit ihren Pollenhöschen dort ankommen und der kleine Körper aufgrund der großen Anstrengung mächtig pumpt.

Honigbienen sind längst keine Landeier mehr, sondern bevölkern dank einer neuen Generation von Hobbyimkern unsere Städte. Dass sie sich dort so wohlfühlen, ist dem vielseitigen Angebot an Bäumen, Kräutern und Blumen geschuldet, die den Stadtbienen reichlich Nahrung auf kleinstem Raum bieten.

Glaubt man einer Studie der Freien Universität Berlin, produzieren Bienen zwischen Beton und Balkonbepflanzung sogar oft doppelt so viel Honig wie ihre Artgenossen auf dem Land. Und genau diesen Vorteil machen sich seit einigen Jahren Stadtimker zunutze.

Urban Beekeeping nennt sich der internationale Trend. Für immer mehr junge Menschen gehört das einst belächelte Renterhobby zu einer modernen Lebensweise in der Stadt. Etwa 95.000 Hobbyimker gibt es in Deutschland. Zu ihnen gehört Anita Wohlfarth. Die 31-jährige Stuttgarterin ließ sich 2015 zur Bienenexpertin ausbilden. Seitdem ist sie den pelzigen Tierchen verfallen.

Imker werden: Die Kunst des Honigmachens

In einem einjährigen Kurs des Imkervereins Stuttgart hat Anita Wohlfarth das Handwerk von der Pike auf gelernt. Am Anfang gibt es eine theoretische Einführung in die Biologie der Honigbiene und in die Imkerei. „Da wird einem erstmal so richtig bewusst, wie unglaublich faszinierend diese unscheinbaren Insekten sind und was sie für uns Menschen und die Natur leisten“, erzählt sie.

Im Frühjahr, wenn die Bienen mit der Honigproduktion loslegen, geht es nach draußen. Dabei schaut man dem Imker über die Schulter und erfährt alles über Fütterung, Wabenhygiene, Schädlingsbekämpfung, Baurahmen und Bienenzucht. „Richtig spannend wird es im Sommer, wenn das Bienenvolk am größten und aktivsten ist,“ erzählt die Jungimkerin. „Dann tummeln sich die Arbeiterbienen auf den Rahmen, ziehen Waben hoch, liefern Pollen an oder teilen mithilfe von Rundtänzen ihren Kolleginnen mit, wo sich die nächste Nektarquelle befindet. Da ist also richtig Action geboten.“

Schließlich durfte sie auch selbst ran an den Kasten und im Imkeroutfit mit Hut und Netz die mit Arbeiterbienen beladenen Rahmen entnehmen. Angst brauche man dabei nicht haben. „Bienen sind harmlos und sanftmütig. Sie haben zwar einen Stachel, setzen diesen aber nur ein, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Zudem greife man ohnehin so wenig wie möglich in den Bienenalltag ein. Die gut organisierten Insekten arbeiten selbstständig, bis im Spätsommer die Honigernte ansteht.

Ich habe Honig vielfach verwendet und stets gefunden, daß er von vorzüglicher Wirkung ist. Er wirkt lösend, reinigend, stärkend.

Sebastian Kneipp

Imkern aus Liebe zur Natur

Die süße Ausbeute ist für Anita Wohlfarth zwar eine schöne Belohnung. Ihr geht es jedoch um etwas anderes: „Ich setze mich mit Lebensmitteln bewusst auseinander und achte darauf, dass sie regional und saisonal sind.“ Denn mit Erschrecken stelle sie im Supermarkt fest: „Ein Großteil unserer Lebensmittel kommt mittlerweile aus dem Ausland. Da weiß man einfach nicht mehr, was drin ist.“ Deshalb versuche sie auch, so viel wie möglich selbst herzustellen. So kennt sie sich auch bestens mit der Produktion von Käse oder dem Anbau von Kräutern aus. Sobald ihre zweijährige Tochter größer sei, wolle sie mit ihrem Mann ihre eigene Bienenfarm aufziehen. Dann summt es auch bei ihr daheim.

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