Wie wir arbeiten: Mikroplastik und was darunter verstanden wird

Kurz zusammengefasst:

Unter „Mikroplastik“ versteht man feste Kunststoff-Teilchen (partikuläre synthetische Polymere).
Flüssige synthetische Polymere oder Lösungen mit synthetischen Polymeren sind an sich also kein Mikroplastik, werden inzwischen aber häufig dennoch unter diesem Begriff zusammengefasst. 

Kneipp setzt festes „Mikroplastik“ nicht ein. Auch die meisten gelösten und flüssigen synthetischen Polymere waren nie Teil unserer Rezepturen. Einzelne Produkte enthalten allerdings noch „Acrylates Crosspolymer“. Um der Sorge über die Abbaubarkeit dieser Stoffe Rechnung zu tragen, arbeiten wir seit einiger Zeit intensiv an den betroffenen Produkten: Bis Ende 2020 werden alle Rezepturen umgestellt sein.
Aufgrund von Lagerbeständen können sich danach noch Restmengen von Produkten mit den Vorgänger-Rezepturen im Handel befinden.

Bei der Umarbeitung unserer Rezepturen haben wir uns an die Definition des BUND Einkaufsratgebers 1 gehalten, der folgende Kunststoffe als relevant in Zusammenhang mit „Mikroplastik“ auflistet:

Kunststoffin kneipp produkten enthalten?
Polyethylen (PE)Nein
Polypropylen (PP)Nein
Polyethylenterephthalat (PET)Nein
Nylon-12Nein
Nylon-6Nein
Polyurethan (PUR)Nein
Acrylates Copolymer (AC)Nein, Rezepturen wurden überarbeitet. Teilweise sind noch Restmengen alter Produkte im Umlauf.
Acrylates Crosspolymer (ACS)Nein, Rezepturen wurden überarbeitet. Teilweise sind noch Restmengen alter Produkte im Umlauf.
Polyacrylat (PA)Nein
Polymethylmethacrylat (PMMA)Nein
Polystyren (PS)Nein
Polyquaternium (PQ)Nein

Wenn du Fragen zu einem speziellen Produkt hast, kannst du jederzeit bei unserem Kundenservice unter kneipp.schweiz[at]kneipp.de nachfragen. Die Kollegen geben dir dann schnellstmöglich Auskunft.

Mehr Details zum Thema:
Wie kommt Mikroplastik in die Weltmeere?

Die Vermüllung der Weltmeere durch über zehn Millionen Tonnen Abfall jährlich ist eine ernstzunehmende gesellschaftliche Herausforderung. Der weitaus größte Teil dieser Abfälle besteht aus Kunststoff: Verpackungsmaterialien wie Folien, Tüten, Flaschen – also Festkörper, in denen sich Meereslebewesen verfangen oder die sie verschlucken können.

Weniger sichtbar, aber nicht weniger schädlich ist Mikroplastik. Durch UV-Strahlung, Wind und Wellen zerfallen die Kunststoffteile über die Jahre in kleinste Partikel. Sobald sie kleiner als fünf Millimeter sind, werden sie allgemein als Mikroplastik bezeichnet. Hinzu kommen Kunststoffpartikel, die durch feinsten Abrieb von Fleece-Materialien (beispielsweise Textilien) und Reifen entstehen.

Die immensen Mengen dieser verschiedenen Mikroplastik-Partikel bedrohen das Ökosystem – beispielsweise indem sie von Meereslebewesen mit ihrem Futter aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen.

Und was ist mit Mikroplastik in Kosmetikartikeln?

Neben dem weltweiten Plastikmüllproblem gibt es in diesem Zusammenhang ein weiteres wichtiges Thema: die Belastung von Abwasser durch sogenanntes „primäres Mikroplastik“. Dieses wird in einigen speziellen kosmetischen Mitteln als Abrasivmittel mit Abriebwirkung eingesetzt – beispielsweise in Form kleiner Plastikkügelchen in Peelings oder Handreinigungspasten.

Auch wenn moderne Abwasser-Klärsysteme in der Lage sind, derartige Partikel abzufangen, kann nicht in jedem Fall ausgeschlossen werden, dass Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Kneipp hat sich sehr frühzeitig mit diesem Thema beschäftigt: Kein Kneipp Produkt enthält Mikrokunststoffpartikel. 

Erfreulicherweise haben sich inzwischen alle Mitglieder des europäischen Kosmetikverbandes auf einen freiwilligen Verzicht ab 2020 geeinigt und auch in den USA wurde mit der Unterzeichnung des Microbead-Free Water Act der Ausstieg besiegelt.

Was wird noch zu Mikroplastik gezählt?

Neben den üblicherweise als Mikroplastik verstandenen Kunststoffpartikeln, die kleiner als 5 Millimeter sind und im Fertigprodukt in fester Form vorliegen, werden häufig auch kolloidale und gelöste Polymere zu Mikroplastik gezählt.

Polymere in kolloidaler Form

In der kolloidalen Form, also in Form von mikroskopisch kleinen, stabilen Suspensionen, werden Polymere in der Kosmetik als sogenannte Trübungsmittel verwendet (z.B. Styrene/Acrylate/Copolymere).

Über negative Auswirkungen kolloidaler Polymere auf die Umwelt liegen keine Erkenntnisse vor. Allerdings nehmen wir die berechtigte Sorge über deren schwere Abbaubarkeit sehr ernst und werden vorsorglich auf kolloidale Polymere verzichten. Betroffene Rezepturen werden bis Ende 2020 umgestellt.

Polymere in gelöster Form

Polymere, die in den Produkten in gelöster Form vorliegen und nicht als Partikel, sind mit Wasser uneingeschränkt mischbar. Solche Polymere sind Hilfsmittel bei der Stabilisierung von Emulsionssystemen (z.B. Acrylate Crosspolymer und Naturstoffe wie Alginate, Pektine, Guar und Xanthan).  

Auch hier liegen keine Erkenntnisse über negative Auswirkungen auf die Umwelt vor. Allerdings lassen sich die Bedenken hinsichtlich der Abbaubarkeit nicht gesichert ausräumen. Deshalb verzichten wir vorsorglich auf diese Stoffe und stellen betroffene Rezepturen bis Ende 2020 um.  

Und was ist mit PEGs?

PEGs (Polyethylenglykole) sind synthetische Emulgatoren. Bei der Auflistung der Inhaltsstoffe auf der Verpackung werden sie in der Regel mit einer Nummer kombiniert. Diese gibt die Zahl der Moleküleinheiten an. Je höher die Zahl, desto mehr Einheiten, desto schwerer abbaubar. Wir haben uns deshalb entschieden eine Grenze zu ziehen und ausschließlich PEGs unter einer Kettenlänge von 50 einzusetzen, also maximal bis PEG-50.

Weitere Details: eine Studie des Umweltbundesamts

Detaillierte Informationen über die verschiedenen Quellen von Mikroplastik und deren Relevanz für den Meeresschutz bietet eine Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt wurde: zum Download

1) Den BUND Einkaufsratgeber kannst du dir hier ansehen.

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