Baderituale: Badekultur aus aller Welt

Plitsch, platsch, plantsch: Im Kneippschen Gesundheitskonzept gibt es über 120 verschiedene Wasseranwendungen, die von Waschungen über Güsse bis hin zu Kräuterbädern reichen. Doch andere Länder, andere Sitten: Viele Kulturen haben ihre eigenen traditionellen Baderituale. Wir haben uns weltweit umgeschaut und stellen die faszinierendsten vor.

  • Badekultur in Japan

    Badekultur in Japan

    Für Japaner ist Baden ein großes und umfangreiches Ritual. Es dient dazu, Körper und Geist zu reinigen und zu pflegen. Gebadet wird in heißen Quellen (den sogenannten Onsen). Diese können zwar öffentlich genutzt werden, allerdings ist es Pflicht, sich vor dem Einsteigen erst einmal gründlich zu reinigen. Nur dann ist der Körper frei von Verschmutzungen, heißt es. Im ca. 45 Grad Celsius heißen Wasser darf man dann maximal zehn Minuten vollkommen entspannen, wodurch sich hartnäckige Verspannungen lösen.

    Darüber hinaus zelebrieren die Japaner auch in den eigenen vier Wänden eine ausgiebige Badekultur. Sie dient in erster Linie der Entspannung. Die Reinigung erfolgt schon vor dem Baden. Nur wer sich vor dem Bad gründlich gewaschen hat, darf in die Wanne steigen. Die gesamte Familie nutzt dasselbe Badewasser. Es bleibt teils mehrere Tage in der Badewanne, dank eines isolierenden Deckels hält sich die Wassertemperatur bei etwa 50 Grad Celsius.

    Neben der Entspannung gilt das Baden als sozialer Akt. Wenn möglich, baden alle Familienmitglieder gemeinsam. Bietet die Wanne nicht genügend Platz, geht es nach Hierarchie: Das Familienoberhaupt darf zuerst in die Badewanne, danach folgen die Männer nach absteigendem Alter. Anschließend sind die Frauen an der Reihe.

  • Ayurvedische Schönheitsbäder aus Indien

    Ayurvedische Schönheitsbäder aus Indien

    Das indische ayurvedische Bad gilt als die älteste Heilkunst der Menschheit. Ayurveda bedeutet „Lebensweisheit“ oder „Wissen vom langen Leben“ und befasst sich mit der körperlichen und geistigen Reinigung. Das Bad dient der Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Gesundheit. Zur Entgiftung wird die Haut mit Sesamöl oder anderen medizinischen Ölen massiert. Das anschließende Bad in frischen Heilkräutern wie Kamille, Lindenblüten oder ätherischen Ölen reinigt den Körper sanft.

  • Hammām – das türkische Dampfbad

    Hammām – das türkische Dampfbad

    Das Hammām ist vor allem im arabischen Raum und in der Türkei ein wichtiger Bestandteil der Bade- und Körperkultur. Diese Badezeremonie dient der Entspannung und Reinigung des Körpers. In einem Dampfbad wird nicht nur bei sinnlichen Düften geschwitzt; auch die Reinigung und eine anschließende Massage gehören dazu. Traditionell gilt das Hammām als Entspannungs- und Wellnessort, sowie als Treffpunkt für Gespräche und gemütliches Beisammensein.

  • Temazcal – das traditionelle mexikanische Dampfbad

    Temazcal – das traditionelle mexikanische Dampfbad

    Das Temazcal ist ein Dampfbad mit langer Tradition in der mexikanischen Medizin und wichtiger Bestandteil bei der Heilung von Krankheiten. In einer traditionellen, kugelförmigen Lehmhütte (dem „Temazcal“) kommt es zur rituellen Reinigung, körperlichen Säuberung und medizinischen Therapie. Im Inneren der Hütte werden Heilkräuter über heiße Steine gelegt und mit Wasser übergossen. Der entstehende Wasserdampf wirkt entspannend und beruhigend.

  • Thalasso – Meerwasserbehandlung aus Frankreich

    Thalasso – Meerwasserbehandlung aus Frankreich

    Thalasso-Therapien gibt es vor allem in Frankreich. Diese haben ihren Ursprung in der Behandlung von Krankheiten mit Meerwasser, Meeresluft, Sonne, Schlick, Algen und Sand. Das mineralstoffhaltige Salzwasser des Atlantiks ist besonders hilfreich bei Hautkrankheiten wie Rheuma und Neurodermitis, aber auch bei Durchblutungsstörungen oder Rückenproblemen. Thalasso-Kuren können auch zu Hause als Wellnessprogramm angewendet werden.

  • Mikveh – das rituelle Tauchbad im Judentum

    Mikveh – das rituelle Tauchbad im Judentum

    Mikveh ist ein rituelles Tauchbad, dem die jüdischen Gemeinden auch heutzutage eine große Bedeutung zusprechen. Es dient der Reinigung von Seele wie Geist und darf nur in fließenden, natürlichen Gewässern (z. B. in Grund-, Quell- oder gesammeltem Regenwasser) durchgeführt werden.

    Beim Mikveh ist das Untertauchen des gesamten Körpers relevant, um die religiöse Sauberkeit und rituelle Reinheit zu garantieren, beispielsweise nach Geburten. Auch Geräte, die im spirituellen Sinne nicht „rein“ sind (wie neue Küchenutensilien), können im Mikveh untergetaucht und damit gereinigt werden.

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