Kneipp® lebt Nachhaltigkeit: Unser Pilotprojekt zum Anbau von Arnika

Woher unsere Arnika kommt, warum wir Arnika anbauen möchten und wieso das so schwierig ist: eine Reise ins spanische Galizien

Fotos: Daniel Peter

Arnika bei Kneipp® – kurz gefasst:

  • Kneipp® hat eine große Vielfalt an Arnika-Produkten im Programm. Dabei verwenden wir die spanische Arnika montana atlantica. Diese hat im Gegensatz zu ihrer osteuropäischen Schwester, der Arnika montana montana, ein besonders geringes Allergiepotenzial.
  • Durch den Klimawandel und wachsende Landwirtschaft ist die spanische Arnika jedoch zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Kneipp® gewinnt die Arnikablüten deshalb auf zwei Wegen: die kontrollierte Wildsammlung und über ein Pilotprojekt zum Anbau der nicht ganz pflegeleichten Pflanze.

Erfahren Sie mehr über das Naturwunder Arnika und begleiten Sie uns (zumindest gedanklich) ins spanische Galizien: Dort haben wir Anfang Juni tatkräftig bei der Ernte geholfen …

Naturwunder Arnika

Sie gehört zu den Pflanzen, die bei Kneipp® eine besondere Geschichte haben: Denn schon Sebastian Kneipp war von der Wirksamkeit der Arnika überzeugt – sie sei nicht mit Gold zu bezahlen, sagte er einst. Bis heute zählt die Arnika zu den wichtigsten Pflanzen in unserem Unternehmen. Der nachhaltige Umgang mit dieser traditionellen Arzneipflanze und natürlichen Rohstoffen generell steht dabei im Fokus. Im Fall der Arnika führt uns dieser Vorsatz ins spanische Galizien. Dort werden die Blüten durch eine nachhaltige Wildsammlung gewonnen und dort gedeiht auch unser Pilotprojekt zum Anbau der Arnikapflanzen.

Wo die Arnika Wurzeln schlägt

Am Madrid-Barajas Airport steigen wir in den Flieger nach A Coruña. Die galizische Stadt dient uns als Basislager zwischen den verschiedenen Zielen unserer Reise rund um die Arnika.

Schon beim Blick aus dem Bullauge des Flugzeugs ist klar: Galizien wird seinem Ruf gerecht. Kilometer um Kilometer gehen die Beige- und Brauntöne der spanischen Erde in ein sattes Grün über. Wälder, kleine Flüsse und die Küste des Atlantiks prägen die Region. Ein optimaler Lebensraum für die spanische Arnika montana.

Die kleine, leuchtend gelb blühende Pflanze hat hohe Ansprüche an ihr Umfeld. Fruchtbar soll es sein, zumindest zeitweise hohe Luftfeuchtigkeit, saurer Boden, möglichst eine Wasserquelle in der Nähe und die Sonne von oben. Die spanische Arnika montana sucht sich ihr Plätzchen sehr sorgsam aus. Bei Kneipp nutzen wir dennoch diese besondere Subspezies der Arnika. Und das hat einen guten Grund: Die spanische Arnika montana atlantica hat im Gegensatz zu ihrer osteuropäischen Schwester, der Arnika montana montana, ein besonders geringes Allergiepotenzial. Ein kleines Naturwunder, das es zu bewahren gilt.

Die Arnika als Rohstoff

Vom Klimawandel über die Weidehaltung bis hin zu landwirtschaftlichen Monokulturen – die spanische Arnika steht zahlreichen Bedrohungen gegenüber; naturbelassene Arnikawiesen sind immer schwerer zu finden. „Seit ich ein Kind war, sehe ich wie die Arnika langsam weniger wird. Wir müssen den Bestand unbedingt stabilisieren – deshalb bin ich froh, dass wir mit Kneipp einen Partner haben, der sich für eine nachhaltige Sammlung der wilden Pflanzen einsetzt und uns gleichzeitig bei der Kultivierung von Arnika unterstützt“, erzählt der Galizier Marcos. Er wurde in der Region geboren; inzwischen hat er von seinem Vater die Leitung des Familienunternehmens übernommen, welches für uns als Rohstoffpartner vor Ort fungiert und für die Trocknung und Lieferung der Arnikablüten nach Deutschland verantwortlich ist.

In Deutschland kommen die Blüten bei der Firma Kräuter Mix an. Deren Mitarbeiter bereiten die Arnika für die Weiterverarbeitung vor, schneiden sie auf eine fest definierte Größe und übergeben sie an Kneipp. Bei uns landen die geschnittenen Blüten im Kessel: Mazeration heißt der Prozess, in dem die Arnikablüten ihre Wirkstoffe ans Öl abgeben. Der so gewonnene Ölauszug ist wiederum Grundlage der Kneipp® Arnikaprodukte.

Damit die Blüten in Deutschland direkt weiterverarbeitet werden können, überprüft Marcos mit seinen Mitarbeitern noch in Galizien die Qualität der gesammelten Arnika. „Wir säubern die Blüten von kleinen Blatt- und Grasresten. Wurde die Arnika aber zu früh geerntet und dann als Knospe oder mitsamt der Wurzeln geliefert, nehmen wir sie gar nicht erst an. So ein rigoroses Sammelverhalten wollen wir nicht fördern“, betont er. Eine Mitarbeiterin, auf die er sich dabei voll und ganz verlassen kann, ist Pilar.

Wildsammlung nachhaltig gestalten

Wir treffen Pilar in Orense. Sie betreibt eine der zentralen Arnika-Sammelstellen – das heißt, sie nimmt die Arnikablüten von den Arnika-Sammlern der Region entgegen und transportiert diese zu Marcos‘ Trocknungs- und Lagerhallen. Schon ihre Mutter hat diesen Job gemacht und die Blüten damals an Adonis geliefert, den Großvater von Marcos. „Ich bin eben unter Blüten geboren“, sagt Pilar und lacht.

 

Sie erklärt uns, wie wichtig es ist, bei der Arnika-Ernte einige Regeln zu beachten: „Arnika braucht Zeit. Die Blüte muss komplett geöffnet sein, erst dann sind ihre Wirkstoffe voll konzentriert. Beim Sammeln lassen wir außerdem immer einige reife Blüten stehen. Es müssen genug Samen in der Natur bleiben, sodass es auch im nächsten Jahr wieder Arnika gibt. Die Bienen fliegen schließlich nur reife Blüten an und verteilen so ihre Pollen.“

Damit erfahrene wie neue Sammler diese Nachhaltigkeitsregeln beachten, hat die Firma Kräuter Mix Unterlagen erstellt, mit denen alle an der Ernte Beteiligten regelmäßig geschult werden. „Wir müssen diese strengen Qualitätskriterien durchsetzen, damit die wilde Arnika eine Zukunft hat. Das gelingt uns aber nur mit Kunden, die bereit sind auf minderwertige, unkontrolliert gesammelte Ware zu verzichten“, erklärt Pilar.

Die Zukunft der spanischen Arnika

Trotz aller Bemühungen, die Arnikabestände durch eine nachhaltige Wildsammlung der Blüten zu stabilisieren: Klimawandel, die Zerstörung des natürlichen Lebensraums und unkontrollierte Sammelaktivitäten bleiben eine zunehmende Bedrohung. 2013 liefen deshalb die ersten Maßnahmen zur Kultivierung von Arnika an: Mit Hilfe von Marcos starteten Kräuter Mix und Kneipp die Suche nach geeigneten Partnern für das Pilotprojekt. Zwei kleine Unternehmen fielen dabei besonders ins Auge: eine Gärtnerei nahe Betanzos und das Landgut Orballo nahe Donín (beides in der Provinz A Coruña).

Die Gärtnerei wurde zur Kinderstube für die kleinen Arnika-Setzlinge. Pablo ist ihr Eigentümer und leidenschaftlicher Pflanzenpapa. Wenn etwas neu ist, ungewöhnlich oder schwierig, dann zündet in ihm ein Funke: Herausforderung Arnikaanbau angenommen, Samen sammeln und los geht’s. Dachte er. Doch bis Pablo die ersten Erfolge verzeichnen konnte, vergingen fast drei Jahre. Die Arnika hat es nämlich faustdick hinter den Blättern. „Bis ich die richtige Menge Wasser und Dünger im Griff hatte, musste ich die Setzlinge viel und lange beobachten. Im Moment arbeite ich daran, dass sich der Wurzelballen noch stärker entwickelt. Das nächste Mal will ich deshalb höhere Anzuchttöpfe verwenden, weil ich gesehen habe, dass die Wurzeln eher in die Tiefe als in die Breite wachsen.“ 

 

Gerade sind seine Arnikapflanzen überreif – die Samen für die nächste Generation können jetzt aus den Blüten gezupft werden. „Danach müssen wir die Samen reinigen und von kleinen Fasern und ihren Schirmchen befreien, damit die Aussaatmaschine nicht verstopft“, erklärt Pablo. „Das Reinigen ist noch reine Handarbeit, weil die Samen so unterschiedlich groß sind. Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.“ Ausgesät wird Ende Juli, Anfang August. Sobald die Pflanzen groß genug sind, beginnt der Ernst des Lebens: Vom Gewächshaus geht es raus aufs Feld.

Es wächst und gedeiht

Die jungen Arnikapflanzen hätten es sicher schlechter treffen können: Ihr Feld liegt auf dem Landgut Orballo – eine kleine Oase inmitten eines Biosphärenreservats. Das Gelände gehört der Familie von Gerardo, dem Manager des Landguts. „Unser Gehöft ist großartig für die Arnika“, erzählt er. „Der Boden ist sehr fruchtbar, nur wenige Meter entfernt fließt ein kleiner Fluss. Und trotzdem muss die Erde sorgfältig für die Aussaat vorbereitet werden. Erst wird sie umgepflügt, dann wieder verdichtet, damit die Plane zur Unkrautunterdrückung gut auf dem Boden aufliegt. Die Arnika braucht jede Menge Aufmerksamkeit.“

 

Das bekommt vor allem Joaquin zu spüren. Er ist der für die Arnika verantwortliche Gärtner und fast jeden Tag bei den Pflänzchen auf dem Feld: 

„Die Arnika ist ziemlich schlecht darin, sich gegen andere Pflanzen zu wehren“, erzählt er uns. „Wenn man sich um die Setzlinge nicht regelmäßig kümmert, gehen sie ein. Wir jäten jeden Halm Unkraut; wenn der Wind die Arnika mit Laub bedeckt, befreien wir sie; wir verdichten die Erde immer wieder neu, damit die Maulwürfe ihre Autobahnen nicht unter dem Feld bauen können. Es ist viel Arbeit – aber sie lohnt sich.“

Tatsächlich gedeiht die Arnika prächtig. 4.000 Pflanzen stehen auf dem Pilotfeld – im November gesetzt, heute (an einem Junitag) in voller Blüte. Gutes Timing: So können wir bei der Ernte helfen. Schließlich haben wir von Pilar gelernt, wie man es richtig macht. Wir ernten also nur die komplett geöffneten Blüten. Der Rest ist bei der zweiten Ernte dran oder bleibt zur Gewinnung von Saatgut auf dem Feld. 

Vom Pilotprojekt zur Rohstoffquelle

Nach der Ernte geht es zurück zum Firmengelände von Marcos: Hier werden die Arnikablüten aus Anbau und Wildsammlung getrocknet. Fast wie Pusteblumen sehen sie dann aus.

Noch ist der Anteil von Arnikablüten aus eigenem Anbau recht überschaubar. „Ich glaube aber fest daran, dass sich das bald ändern wird und wir die Wildsammlung sukzessive durch angebaute Arnika ersetzen können“, bekräftigt er und ergänzt: „Mit Mitarbeitern wie Pilar werden wir aber weiter zusammenarbeiten – und sei es nur, um weniger nachhaltig denkenden Sammlern nicht das Feld zu überlassen.“

„Das Arnika-Anbauprojekt in Galizien hat für uns einen hohen Stellenwert – in Sachen Nachhaltigkeit und Rohstoffqualität. Wir werden deshalb mit voller Kraft weiter an dessen Erfolg arbeiten.“

Dr. Andrea Lutz-Röder
Projektverantwortliche und Leiterin Labordienste bei Kneipp®

Bis es soweit ist und der größte Anteil der Arnikablüten aus eigenem Anbau stammt, gibt es allerdings eine Menge zu tun. Noch steckt viel Handarbeit im Projekt – von der Gewinnung der Samen, über die Aussaat und das Großziehen der Pflanzen bis zur Ernte. „Mit den ersten Ernten der Blüten sind wir aber schon sehr gut vorangekommen“, bekräftigt Marcos. „Wir müssen jetzt nur weiter dranbleiben, uns technisch weiterentwickeln und das Pilotprojekt ausbauen.“ 

Das sehen wir genauso: Gemeinsam mit unseren Partnern in Galizien arbeiten wir weiter für den Erhalt der Arnika montana atlantica – schließlich gehörte sie nicht umsonst schon zu Sebastian Kneipps Lieblingskräutern.

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