Nachtkerzenöl (INCI: Oenothera Biennis Oil)

Die Nachtkerze ist eine zwei­jährige, krautige Pflanze, im Juli erfolgt die Aussaat und im Sep­tember des nächsten Jahres die Ernte. In den Samen befinden sich bis zu 20 Prozent fettes Öl, das Nachtkerzenöl.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde an der Universität Würzburg entdeckt, dass das Nachtkerzenöl die in der Pflanzenwelt selten vorkommende, Gamma-Linolensäure enthält. Damit gehört Nachtkerzenöl zu den weni­gen pflanzlichen Ölen, die Gamma-Linolensäure enthalten.
Neben der Gamma-Linolensäure enthält das Öl vor allem Linolsäure. Konkret besteht das Öl der Art Oenothera biennis bis zu 75 Prozent aus der essentiellen Linolsäure und bis zu 12 Prozent aus Gamma-Linolen­säure. Beide Fettsäuren werden als mehrfach ungesättigt bezeichnet und gehören der Omega-6-Reihe an 1.

Die Barrierefunktion der Haut

Linolensäure ist unerlässlich für die Aufrechterhaltung der epidermalen Barrierefunktion, denn sie ist ein wichtiger Baustein hauteigener Ceramide (Ceramid 1 [EOS], Ceramid 4 [EOH], Ceramid 9 [EOP]), die in der Hautbarriere vorkommen und dort für Stabilität und Zusammenhalt sorgen. Die essentielle Linolsäure sollte deshalb extern zugefügt werden, um eine optimale Funktion der epidermalen Barriere zu gewährleisten und so die Haut gesund, ausreichend hydratisiert, elastisch, geschmeidig und widerstandsfähig zu halten. Hinzu kommt, dass in diesem Zusammenhang bei speziellen Hautzuständen, wie z.B. der sehr trockenen Altershaut oder der Haut mit Tendenz zur Neurodermitis, Störungen der Barrierefunktion nachgewiesen wurden 2.

Gamma-Linolensäure wird in der Epidermis – im Gegensatz zu anderen Körpergeweben – nicht enzymatisch aus Linolsäure gebildet, sondern ist hautphysiologisch ebenfalls als essentielle Fettsäure zu betrachten. Sie muss der Haut also ebenfalls zugeführt werden. Gamma-Linolensäure erfüllt zahlreiche Funktionen, wobei die entzündungshemmende Eigenschaft gerade für die Pflege sehr trockener, irritierter und barrieregestörter Haut von großer Bedeutung ist.

Vor diesem Hintergrund ist die topische Verwendung von Nachtkerzenöl sehr sinnvoll und hilfreich. Kosmetisch appliziertes Nachtkerzenöl wirkt durch den hohen Anteil der Linolsäure regenerierend und stabilisierend auf die Hautbarriere, und dadurch feuchtigkeitsspendend. Insbesondere bei Hautzuständen, die mit einer Verminderung von Linolsäure in der Hautbarriere (Stratum corneum) einhergehen, wie z.B. die neurodermitische (atopische) Haut, empfehlen sich Hautpflegeprodukte mit hoher Konzentration von Nachtkerzenöl 3.

Auf den Punkt

Zusammengefasst, erhöhen die im Nachtkerzenöl enthaltenen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren die Widerstandskraft und Integrität der Hautbarriere und sorgen so für eine stark hydratisierte, elastische und geschmeidige Haut. Pflegeprodukte mit Nachtkerzenöl wirken zudem hautberuhigend, entzündungshemmend und dienen so der Gesunderhaltung der beanspruchten Haut mit Tendenz zur Trockenheit und  Neurodermitis.
 
1 Bolli R (2005): Oenothera biennis – die Nachtkerze und ihr Samenöl. Zur Geschichte, Botanik und Phytochemie eines aussergewöhnlichen Neophyten in Flora und Medizin. Phytotherapie 2: S. 6-11
2 Coderch L, López O, de la Maza A, Parra JL (2003): Ceramides and skin function. Am J Clin Dermatol 4: S. 107-129
3 Gehring W, Bopp R, Rippke F, Gloor M (1999): Effect of topically applied evening primrose oil on epidermal barrier function in atopic dermatitis as a function of vehicle. Drug Res 49: S. 635-642


 

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