Kamilleblumen auf einer Wiese
Kamilleblumen auf einer Wiese

Kamille: Der Pflanzendoktor

Kurz & knapp

Wissenschaftlicher Name: Matricaria recutita L. (Chamomilla recutita (L.) Rauschert)

Volksnamen: Echte Kamille, Deutsche Kamille, Garmille, Magdeblume, Mutterkraut

Arzneibuchbezeichnungen: Kamillenblüten Ph.Eur. (Matricariae flos.), Kamillenöl Ph.Eur. (Matricariae aetheroleum)

Familie: Asteraceae (Korbblütler)

Herkunft: Ursprünglich aus Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien; heute in ganz Europa, Nordamerika und Australien verbreitet.

Botanik: Kamillenpflanzen werden 20 bis 50 cm groß; am Ende des Stengels mit seinen fiederteiligen Blättern sitzt der Blütenkopf. Auf diesem befinden sich gelbe Röhrenblüten, die von einem Kranz weißer Zungenblüten umgeben sind. Als charakteristisches Unterscheidungsmerkmal zur sogenannten Hundskamille befindet sich bei der Echten Kamille in der Mitte des Blütenkopfes ein vorgewölbter und hohler Blütenboden, der bei der Hundskamille markig und kaum vorgewölbt ist. Die Kamille besitzt einen charakteristischen Geruch, der durch das ätherische Öl entsteht. Die blaue Farbe des ätherischen Kamillenöls entsteht während der Wasserdampfdestillation der Röhrenblüten. Dabei wird bei der Gewinnung des Öls das in den Kamillenblüten enthaltene Matricin in ein blaues Chamazulen umgewandelt.

Blütezeit: Mai bis September

Verwendete Pflanzenteile: Die voll aufgeblühten hohlen Kamillenblüten.

Kamillenöl in Glasflasche auf einem Holztisch. Daneben Kamillenblüten.

Historische und volkstümliche Verwendung

Die Kamille ist ein Heilkraut, wie es im Buche steht – oder besser gesagt: in unzähligen Büchern. Die volkstümlich-medizinische Karriere dieser Pflanze ist schlichtweg beeindruckend. Der griechische Arzt Dioskurides empfahl sie als unterstützendes Mittel bei der Geburt und bei Blasenentzündung. Zu Zeiten Karl des Großen verschrieben Mönchsärzte Mundspülungen mit Kamillenöl für entzündetes Zahnfleisch und im 16. Jahrhundert kommt der Botaniker und Arzt Hieronymus Bock gar zu dem Schluss, Kamille könne gegen nahezu alle Beschwerden eingesetzt werden. Auch in zahlreichen Rezeptsammlungen und Herbarien der Klosterheilkunde wird die Kamille als Allheilmittel angepriesen.


Wenig verwunderlich also, dass auch Sebastian Kneipp das einzigartige Wirkspektrum der Pflanze in seinen Aufzeichnungen lobend hervorhob: Er ordnete Kamille unter anderem bei Erkältungen mit fieberartigen Zuständen, Krämpfen, Magen-Darm-Problemen sowie Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut an.

Kamille wirkt gegen krampfhafte Zustände und ist schmerzstillend.

Porträt von Sebastian Kneipp
Sebastian Kneipp
Kamillentee im Teeglas, das auf einem grauen Tuch steht.
Kamillentee ist ein bewährtes Hausmittel bei Bauchschmerzen. Auch Sebastian Kneipp hob das einzigartige Wirkspektrum der Pflanze in seinen Aufzeichnungen hervor.

Heutige Verwendung

Bauchschmerzen? Dann erstmal einen Kamillentee! Noch immer schwören Menschen in aller Welt etwa bei Magen-Darm-Leiden auf dieses bewährte Hausmittel. Dabei ist die heilsame Wirkung von Kamillenblüten längst auch wissenschaftlich zweifelsfrei belegt: Wer mit Reizungen der Atemwege oder Zahnfleischentzündungen zu kämpfen hat, dem können regelmäßige Mundspülungen und Inhalationen mit Kamille helfen. Auch in kosmetischen Produkten finden Auszüge der Heilpflanze Kamille Verwendung; sie wird beispielsweise zum Schutz bei Hautreizungen angewendet und wirkt hautberuhigend.

Kamillenpflanzen auf einer Wiese.

In der Erfahrungsheilkunde ist die Kamille auch als „Frauenpflanze“ bekannt und wird zur Linderung von Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Das wird spätestens durch ihren botanischen Namen Matricaria recutita L. deutlich: „Matricaria“ leitet sich aus dem Lateinischen „mater“ für Mutter ab.

Kamille-Bündel.

Schon gewusst?

Im alten Ägypten verehrten die Menschen die Kamille als die Blume des Sonnengottes – wahrscheinlich wegen ihrer gelben Blütenmitte und der Ähnlichkeit zur Sonne. Auch als „Pflanzendoktor“ machte sich die Kamille einen Namen: Man nahm an, dass sie andere Pflanzen, die in ihrer unmittelbaren Nähe wachsen, gesund halte.

Ätherisches Öl (Charmazulen, α-Bisabolol), Matricin, Flavonoide, Cumarine, Schleimstoffe.

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