Wie baden andere Kulturen ?
Wie baden andere Kulturen ?
Badekultur ist Vielfalt pur:

eine Reise durch die Wannen und Wonnen dieser Welt

Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du ans Baden denkst? Siehst Du spontan das warme Licht einer Kerze? Hast Du das Knistern des Badeschaums in den Ohren oder Deinen Lieblingsduft in der Nase? Oder spürst Du einfach die Vorfreude auf den nächsten Moment, der einfach nur Dir gehört?

Badezeit – meine Zeit: Warum wir uns mit Baden immer etwas Gutes tun

Ganz gleich, welche Badekultur Du pflegst: Baden war, ist und bleibt etwas Wundervolles – und weit mehr als Hygiene. Beim Baden verwöhnen wir Körper und Geist zugleich. Das fängt schon damit an, dass wir uns Zeit nehmen, den Alltag hinter uns und das einzigartige Element Wasser seine Wunder wirken lassen. Nicht umsonst nimmt Baden auch in der Hydrotherapie Sebastian Kneipps eine Schlüsselrolle ein. In seinen über 120 Wasseranwendungen beschreibt er verschiedenste Badeformen, die der Gesundheit dienen können: kalt, warm, heiß, ansteigend, Voll-, Halb- oder Dreiviertelbad … Wer in Kneipps „Meine Wasser-Kur“ schmökert, wird glatt zum/zur Bademeister:in.

Möge sich daher jeder (…) eine Badegelegenheit und damit eine große Wohltat für seine Gesundheit erschaffen.

Pfarrer Sebastian Kneipp
Sebastian Kneipp

Vom Hamam Bad bis Onsen und Sento, von Mikveh bis Hot Pot: Fertig zum Abtauchen?

Es muss also etwas Besonderes mit dem Baden auf sich haben – das zeigt auch der Blick auf die unterschiedlichen Baderituale rund um den Globus: seien es die Hot Pots in Island, die traditionelle japanische Badekultur, das jüdische Tauchbad Mikveh oder die schweißtreibenden Saunen Skandinaviens. Tauche ein mit uns in die Badewannen und -wonnen dieser Welt. 

Badekultur in Japan

Wassersportfans dürften in einem japanischen Onsen oder Sento definitiv „Baden gehen“. Denn das Verweilen im circa 40 Grad heißen Wasser dieser Badehäuser dient in erster Linie der Entspannung sowie dem gepflegten – meist nach Geschlechtern getrennten – sozialen Austausch. Bevor man ins aus Thermalquellen stammende oder künstlich erhitzte Wasser steigt, ist gründliche Körperhygiene Pflicht. Kurios: Tätowierungen werden in den meisten Onsen und Sentos historisch bedingt nicht gern gesehen – galten Tattoos doch lange als Kennzeichen für Mafia-Zugehörigkeit. Privat geht es weniger streng, aber genauso reinlich zu. Die Wanne im Ofuro, einem von anderen Sanitäranlagen abgetrennten Raum, darf nur benutzen, wer sich ausgiebig gewaschen hat. Schließlich verwendet in Japan traditionell die ganze Familie das gleiche Badewasser.

Badekultur in der Türkei und im arabischen Raum

Hamam, Hammam oder hammām: So unterschiedlich die Schreibweisen, so einheitlich das Ritual in diesen Dampfbädern – die in arabischen Ländern sowie der Türkei wichtiger Bestandteil der Badekultur sind. Zunächst betritt man einen körperwarmen Raum; hat man sich an die höhere Temperatur gewöhnt, geht es in den Heißraum zur gründlichen Waschung. Danach wird auf heißen Steinen bei rund 65 Prozent Luftfeuchtigkeit entspannt, was die Muskeln lockert und die Poren öffnet. Nun führen Hamam-Meister:innen spezielle Peelings und Massagen durch. Zum Abschluss relaxt man im Ruheraum bei einer Tasse Tee.

Bild ohne Namen

Sieben Stufen führen Menschen jüdischen Glaubens in die Mikveh – ein Tauchbecken, das ausschließlich mit Grund-, Quell- oder Regenwasser gefüllt sein darf. Das Untertauchen des gesamten Körpers erfüllt hier eine vorwiegend rituelle Funktion, etwa nach Entbindungen. Interessant: Die Mikveh reinigt im jüdischen Glauben nicht nur Seele und Geist von Menschen; auch Geschirr wird durch das Untertauchen spirituell gereinigt.

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches war es ums Baden in Europa schlecht bestellt. Erst ab dem 12. Jahrhundert schlug sich das von den Kreuzfahrern importierte Bade-Wissen in Form einer neuen, gemeinschaftlichen Badekultur nieder. Oft ging es dabei auch, trocken formuliert, ziemlich rund – bis die Kirche das Baden als verwerfliches Treiben brandmarkte. Krankheiten wie Pest oder Syphilis gaben der Badekultur dann den Rest, sodass die meisten Badeanstalten im 15. und 16. Jahrhundert schlossen. 

Heiß geht es zu im hohen Norden – zum Beispiel in den isländischen heitir pottar: Auf der gesamten Insel findet man die dampfenden, durch Vulkanismus beheizten Hot Pots. Das Baden im bis 45 Grad heißen Thermalwasser ist seit Jahrhunderten in der isländischen Kultur verankert. So mancher Hot Pot ersetzt sogar die Dorfwirtschaft … wohlgemerkt, solange man sich vorher gründlich gewaschen hat. Auf dem nordischen Festland steht dagegen Saunieren hoch im Kurs. Geschätzte drei Millionen Saunen gibt es allein in Finnland – bei einer Bevölkerung von nicht mal sechs Millionen. Das gemeinsame Schwitzen über Gesellschaftsgrenzen hinweg ist bei den Finnen so beliebt, dass selbst hohe Staatsgäste zum Saunieren geladen wurden. Klar, dass da auch eine Sauna im Parlament nicht fehlen darf.

Badekultur in Mexiko

Man sieht vielerorts in den Ländern Mittelamerikas: die kugelförmigen, per Ziegelofen beheizten Lehmhütten, Temazcal genannt. Darin werden seit Jahrhunderten Heilkräuter auf heiße Steine gelegt und mit Wasser übergossen. Dem entstehenden Dampf schreibt man in der traditionellen Medizin heilende Kräfte für unterschiedlichste Leiden zu. Über die richtige Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie die Kräuterzusammensetzung entscheiden heute meist Frauen, die Temazcaleras.

Badekultur in Indien

In einer der ältesten Heilkünste der Welt, der indischen Ayurveda, nimmt das Baden eine wichtige Rolle ein. Dazu bedient man sich ätherischer Öle, Milch, Honig, Essig oder Heilkräuteressenzen. Über Zutaten, Temperatur und Badezeit entscheidet die Lebensart (Dosha) des Badegastes: Während Kapha-Typen etwa viel Wärme benötigen, um ihren Stoffwechsel in Gang zu bringen, empfiehlt das Ayurveda bei Pitta-Typen zum Beispiel Kurkuma als Badezusatz zur Verbesserung des Hautbildes.

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Die Heilkraft von Wasser entdeckte Sebastian Kneipp bereits im 19. Jahrhundert.