Nachwachsende Verpackung – klingt ziemlich gut, oder? Finden wir auch. Natürlich wachsen unsere Kappen, Deckel und Flaschen nicht an Bäumen. Deshalb geben wir unser Bestes, in immer mehr Verpackungen nachwachsende Rohstoffe zu nutzen. Bis 2025 wollen wir kein Plastik mehr in unseren Verpackungen verwenden. Das schaffen wir nicht von heute auf morgen, doch es geht voran:

Verpackungsteile aus Holzresten 

Infografik über Verpackungsteile aus Holzresten

Von der Kaffeekapsel zur Kosmetikverpackung: Manchmal muss man die Fühler in ungewohnte Richtungen ausstrecken, um in Sachen nachhaltiger Verpackungen voranzukommen. So finden sich dann auch zwei Partner wie ein Unternehmen mit über 130-jähriger Geschichte (also wir) und ein Start-up, das durch eine TV-Show bekannt wurde: Rezemo.  

 

Vielleicht kennst du schon die Rezemo Kaffeekapseln aus Holzfasern? Wir arbeiten nun mit dem Start-up daran, den gleichen Werkstoff, das sogenannte forewood Material, für Teile unserer Verpackungen zu verwenden. Das Tolle: Dabei verwenden wir Holzreste, die bei der Holzverarbeitung als Abfall- bzw. Nebenprodukte anfallen, beispielsweise klassische Sägespäne, sowie Bindemittel aus Pflanzenstärke. Damit basiert das Material zu 100 Prozent auf nachwachsenden Rohstoffen. Unsere ersten Produkte mit Verpackungsteilen aus Holzfasern kannst du ab nächsten Frühling bei uns entdecken.

Paper Blend: aus nachwachsenden Rohstoffen

Wenn du die Kappe unserer Lippenpflege in die Hand nimmst, wirst du nicht glauben, dass das kein Plastik ist. Und genau das ist das Besondere an Paper Blend. Es hat alle Vorteile, die eine Kunststoffverpackung so praktisch machen – stabil, schützt vor Feuchtigkeit, hygienisch – aber es besteht aus biobasierten, nachwachsenden Rohstoffen. Genauer gesagt: zu 99 Prozent aus Rohstoffen, die wir von ganz normalem Papier kennen.

Philipp Keil leitet das Packmittelmanagement bei Kneipp und erklärt uns, was es genau mit diesem Material auf sich hat: „Paper Blend besteht zu 99 Prozent aus Inhaltsstoffen, die auch zur Papierherstellung genutzt werden – also vor allem aus Zellulose und mineralischen Additiven. Es ist komplett frei von Erdöl. Um Elemente aus Paper Blend einzufärben, wird bis zu einem Prozent PLA verwendet, das ebenfalls natürlichen Ursprungs ist. Es wird meist aus Maisstärke gewonnen, zählt aber aufgrund der nötigen Verarbeitung zu den Kunststoffen. Um dieses eine Prozent kommen wir aktuell leider noch nicht herum.“


Das Gute: Wenn Paper-Blend-Verpackungen in die Umwelt gelangen, zersetzen sie sich zu Biomasse – am Ende bleiben nur CO₂ und Wasser. Deshalb hat Paper Blend das Zertifikat OK Compost nach EN13432 erhalten. 

Die Paper-Blend-Kappe unserer Lippenpflege ist also eine biologisch abbaubare Verpackung und grundsätzlich zur Kompostierung geeignet. 

„Allerdings stehen wir aktuell noch vor der Herausforderung, dass die Kompostwerke alle nach Fehlwürfen aussehende Materialien, wie beispielsweise Plastik, aussortieren. Deshalb empfehlen wir derzeit die Entsorgung im gelben Sack. Denn Paper Blend ist nicht nur kompostier-, sondern auch recycelbar“, erklärt Philipp. Aus den alten Kappen könnten also wieder neue werden. 

Aufgrund der derzeit noch unklaren Situation mit den Prozessen der Entsorgungsbetriebe haben wir uns entschlossen, ein eigenes Rücknahmesystem in unseren Kneipp Shops anzubieten. 

Silphie: wächst und wächst und wächst nach

Frau sitzt auf dem Sofa und hält eine Kneipp Lippenpflege-Verpackung mit Silphie-Papier in den Händen.

Die Faltschachteln unserer Lippenpflege werden jetzt noch nachhaltiger: Wir stellen um von Graspapier auf Silphie-Papier.


Vermutlich suchst du jetzt in deinem Hinterkopf vergeblich nach irgendeiner Verknüpfung zum Stichwort „Silphie“? Keine Sorge, das ging uns anfangs genauso. Bei der Silphie-Pflanze handelt es sich um einen sehr schnell nachwachsenden Rohstoff. Sie ist in großen Mengen verfügbar und dank regionalem Anbau lassen sich Transportwege sowie die damit verbunden CO₂-Emissionen sparen.

Die gelb blühende Silphie-Pflanze wird regional angebaut
Die gelb blühende Silphie-Pflanze kommt auch bei Bienen gut an.

„Wir haben uns allerdings vor allem deshalb für die Silphie entschieden, weil sie sich komplett verwerten lässt“, erklärt Philipp. „Wir nutzen die Silphie-Fasern zunächst zur Herstellung des Kartons für die neue Lippenpflege-Faltschachtel. Die übrigen Fasern der Pflanze werden in Biogasanlagen zur Erzeugung von Energie verwendet. Sogar die Gärreste kommen im Anschluss wieder zum Einsatz – und zwar als Dünger für neue Silphie-Felder.“ Aktuell besteht der Karton zu 35 Prozent aus Silphie-Fasern. Die Silphie-Faltschachtel könnt ihr wie gewohnt im Altpapier recyceln.

Vom Abfallprodukt zur Verpackungsschönheit: unsere Kork-Hülsen

Über Trends kann man sich ja streiten. Aber Upcycling ist definitiv ein Trend mit Sinn. Und wir machen mit. Denn auch unsere Verpackungselemente aus Kork haben eine wenig glamouröse Vorgeschichte: Ob Verschnitt aus der Weinkorkenproduktion, von Gin-Deckeln oder der Herstellung von Korkböden – unser Kork war mal Abfall. Sogenannter Post Industrial Waste. Viel zu schade für die Tonne.

Wir nutzen den Kork deshalb für unsere Lippenpflege-Verpackung. Die untere Hülse der farblosen Lippenpflege besteht aus einem Korkgemisch mit 70 Prozent Korkanteil. Das Material ist sogar Ecocert- und Cosmos-konform. 


Die Hülse der farbigen Lippenpflege ist aus einem Mix aus Paper Blend und Kork. Farbe und Haptik der Hülse unterscheiden sich deshalb etwas von der Hülse der farblosen Lippenpflege.

„Dass wir für unsere Verpackungen Korkabfälle verwenden können, ist ein tolles Beispiel für ressourcenschonendes Arbeiten. Davon abgesehen ist Kork auch an sich schon ein nachhaltiges Material, und vor allem ein nachwachsender Rohstoff“, erläutert unser Verpackungsexperte Philipp. „Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen. Das Besondere: Die Korkeiche bildet ihre Rinde nach, sodass immer wieder geerntet werden kann, ohne dem Baum zu schaden." 


Korkeichenwälder, natürliche und angepflanzte, stellen einen widerstandsfähigen, sehr dürre-resistenten Lebensraum dar und beherbergen eine große Artenvielfalt. Sie helfen außerdem, der Versteppung entgegenzuwirken und binden wie alle Wälder Kohlenstoffdioxid.

Portrait von Philipp Keil

Über: Philipp Keil

Philipp Keil ist Head of Packaging Materials Management und hat damit aktuell wohl einen der spannendsten Jobs bei Kneipp. Denn in Sachen nachhaltige Verpackungen tut sich einiges. Insbesondere, wenn es um den Einsatz nachwachsender Rohstoffe in Verpackungen geht, stellen sich regelmäßig neue Herausforderungen für Philipp und sein Team. Schließlich handelt es sich hier um Materialien, für die es keine oder nur wenig Erfahrungswerte gibt. Paper Blend wird weltweit erstmals von Kneipp als Verpackung eingesetzt. Auch Kork und Graspapier gab es zuvor nicht als Verpackung für Kosmetikprodukte. Entsprechend viel Geduld und Lust an zahlreichen Tests ist gefragt. Die Mühe zahlt sich aus – denn nur so kommen wir unserem Ziel näher, bis 2025 keine Kunststoffe mehr in unseren Verpackungen zu nutzen.

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