Düfte und ihre Wirkung Aromakologie
Düfte und ihre Wirkung Aromakologie

Düfte und ihre Wirkung

Ein Hauch von Zimt liegt in der Luft – und deine Gedanken begeben sich prompt auf Zeitreise an Mutters Küchentisch? Der Geruch von Zimtsternen versetzt dich sofort in nostalgische Stimmung? 

Wie gut können Menschen riechen?
Während der Mensch etwa 5 Millionen Riechzellen hat, besitzen Katzen etwa 65 Millionen davon. Hunde nehmen Düfte sogar mit rund 200 Millionen Riechzellen wahr.

Düfte sind etwas Großartiges: Sie erinnern uns an verflossene Liebschaften, unvergessene Urlaube und längst vergangene Tage. Sie wirken auf ganz besondere Weise – und oft sogar, ohne dass wir es bemerken.

So haben Gerüche beispielsweise Einfluss darauf, wen wir mögen und wen nicht. Eine feine Nase bewahrt uns vor Gefahren, etwa vor verdorbenen Lebensmitteln oder ausströmendem Gas. Düfte wirken gegen Stress, helfen zu entspannen oder stimulieren und setzen neue Energie frei. Stell dir eine Welt ohne Düfte vor: Sie wäre vermutlich recht trist und wenig lebensfroh. Grund genug, mehr über die kleinen Wunderwerke zu erfahren.

Kneipp Lavende Provence
Der Duft von Lavendel und der Gedanke an die Provence liegen nah beieinander.

Aromatherapie und Aromakologie

Ganz gezielt kommen Düfte in der Aromakologie und der klassischen Aromatherapie zum Einsatz: Dabei werden einige Tropfen eines ätherischen Öls ins Wasser gegeben und über einem Teelicht erwärmt. Die dabei freigesetzten Aromen erzeugen einen angenehmen Raumduft und beeinflussen unsere Stimmung. Ein Effekt, den sich Menschen bereits seit Jahrhunderten zunutze machen.


Im Gegensatz zur hautpflegenden Wirkung der sogenannten fetten Öle einer Pflanze, wirken ätherische Öle also über ihren Duft. Natürliche ätherische Öle werden vor allem aus den Blättern, Blüten und Schalen von Pflanzen gewonnen. Zu den bekanntesten zählen vor allem jene Öle, die uns entspannende Düfte unter die Nase reiben: Lavendel und Patchouli beispielsweise.

Düfte wecken Emotionen

„Den kann ich gut riechen!“ Diesen Spruch hast du bestimmt schon gehört. Und diese Verknüpfung von Emotionen und Gerüchen hat durchaus ihre Berechtigung.


Düfte wirken über den ältesten Teil des menschlichen Gehirns, das limbische System. Hier werden Emotionen maßgeblich verarbeitet und gesteuert. Weil Düfte, anders als optische oder akustische Sinneseindrücke, nicht über den Thalamus vorverarbeitet und gefiltert werden, können sie ganz unbewusst Emotionen in uns auslösen. Beispielsweise weckt der Duft nach frisch gebackenem Kuchen in vielen ein Gefühl von Geborgenheit, ohne dass sie diesen Effekt immer klar zuordnen können.


Soweit die Theorie. Doch lässt sich die Wirkung von Düften auf unsere Emotionen und Stimmung auch nachweisen?

sich die Wirkung von Düften auf unsere Emotionen und Stimmung auch nachweisen?

Lassen sich Emotionen messen?

Bei der Entwicklung unserer Produkte spielt die Duftwirkung eine große Rolle. Die Experten unserer Forschung und Entwicklung befassen sich seit Jahren intensiv mit der Wirkung natürlicher Aromen auf die Psyche des Menschen.


Unter anderem führt Kneipp zusammen mit dem Wuppertaler Forschungsinstitut Psyrecon, einem unabhängigen Institut für angewandte Psychophysiologie, regelmäßig wissenschaftliche Studien zur aromakologischen Wirkung kosmetischer Produkte durch.

Bei diesen psychophysiologischen Studien werden körperliche Reaktionen erfasst, die im Rahmen von Gefühlsprozessen auftreten. Sensoren messen dazu die Körpersignale freiwilliger Testpersonen – kleinste Aktivitäten der Gesichtsmuskeln, Gehirnströme und, zur Erfassung der Emotionsstärke, auch die Herzrate und Schweißdrüsenaktivität.


Die Messung findet als Referenz vor, während und unmittelbar nach der Produktanwendung statt. Hierbei werden unterschiedliche Testprodukte, Formulierungen und Kneipp Produkte verglichen und anhand einer Kontrollgruppe mit Placebo-Produkten überprüft. Das Ergebnis: Kneipp wirkt.

Kneipp wirkt – nachweislich stimmungsaufhellend oder tiefenentspannend

Mit dem beschriebenen Messverfahren hat Kneipp schon viele Produkte evaluiert; beispielsweise unseren Bestseller, die Aroma-Pflegedusche Lebensfreude. Das Ergebnis der aromakologischen Studie ist eindeutig: Die Kneipp Lebensfreude Dusche hat durch ihren frischen, sonnigen Duft der ätherischen Öle von Litsea Cubeba und Zitrone eine messbar positive Wirkung auf die Stimmungslage.

Auch die Bade-Essenz und die Badekristalle Tiefenentspannung wurden mit Blick auf ihre psychophysiologische Wirkung untersucht. Die aromakologische Studie belegt, dass ein Bad mit dem Badezusatz Tiefenentspannung seinem Namen gerecht wird: Es verhilft zu tiefer Entspannung und innerer Ruhe. Dies wurde insbesondere bei der Messung der Hirnstromaktivitäten durch das EEG (Elektroencephalogramm) deutlich. Dabei zeigte sich ein Anstieg der EEG-Theta-Aktivität, was ein Zeichen dafür ist, dass der Geist zur Ruhe kommt.

Über die Entwicklung und Wirkung von Düften: Ein Duft-Experte im Interview

Der legendäre Meisterparfümeur Edmond Roudnitska (1905-1996) war angeblich in der Lage über 3.000 Gerüche voneinander zu unterscheiden. Wir Otto-Normalmenschen kommen in der Regel auf etwa 500. Auch schon eine ganz gute Leistung – und Indiz dafür, wie bedeutend der Geruchssinn für unser Leben ist.


Erich Schmidt kennt sich in der Welt der Düfte bestens aus. Der Parfümeur und Duftexperte hat vor seinem Ruhestand lange Jahre mit unserer Entwicklungsabteilung rund um den Einsatz ätherischer Öle und Duftstoffe zusammengearbeitet. Seinen feinen Geruchssinn hat er sich als Einkäufer für natürliche Duftstoffe erworben. Um deren Qualität zu beurteilen standen ihm damals noch kaum technische Hilfsmittel zur Verfügung – bis auf seine Nase.

Herr Schmidt, wann beginnen wir Menschen überhaupt mit dem Riechen?

Der Geruchssinn ist bereits im Mutterleib vorhanden. Präferenzen zur späteren Ernährung werden schon dort festgelegt. Über die Riechrezeptoren nehmen wir Aromen aus dem Fruchtwasser auf. Mit der Geburt und der Aufnahme von Muttermilch kommen weitere Erkenntnisse hinzu, die ersten Umweltdüfte werden wahrgenommen und erlernt. Um den 18. bis 24. Monat erfahren Kinder eine Phase der Neophobie, der Angst vor neuen Gerüchen und Geschmäckern – ein Schutz vor schädigenden Nahrungsmitteln. Erst mit dem dritten Lebensjahr nutzen wir unsere Riechzellen in vollem Umfang.

Welche Düfte sind für uns Menschen angenehm?

Jeder Mensch nimmt Düfte unterschiedlich wahr. Bereits durch unsere genetischen Voraussetzungen können sich die Geruchseindrücke um Nuancen unterscheiden. Bedingt durch die Hedonik, also die individuelle Bewertung der Duftqualität, klaffen sie dann manchmal sogar weit auseinander. Ein Beispiel: Lavendelduft wirkt im Allgemeinen beruhigend und harmonisierend. Haben wir im Lauf unseres Lebens aber eine Hedonik entwickelt, die Lavendel negativ bewertet, kann sich diese Wirkung nicht mehr durchsetzen.

Wo fängt man bei der Kreation eines Duftes denn dann an? Wie duftet beispielsweise Lebensfreude?

Der Profiparfümeur darf keinesfalls von sich ausgehen. Ohnehin wird er mit einem Duft nie die Vorlieben eines Großteils der Menschheit erfüllen. Wir können uns nur nach dem richten, was aktuell in Mode ist und mehrheitlich positiv wahrgenommen wird. So sind es die frischen, fruchtigen, die hellen und grünen Noten, die auf uns Menschen stimulierend und belebend wirken. Eine Empfindung, die mit Lebensfreude assoziiert werden kann.

Jeder Tag ohne Geruchserlebnis ist ein verschenkter Tag.

Erich Schmidt Parfümeur und Duftexperte

Und was nehmen wir als beruhigende, entspannende Düfte wahr?

Blumige, weiche und fein holzige Noten sind harmonisierend, während herbe, krautige bis hin zu kräftigen holzigen Noten beruhigend wirken. Aber durch äußere Einwirkungen, mentalen Stress oder gesundheitliche Einschränkungen kann der Geruch, der mich erst gestern beruhigt hat, heute aggressiv machen.

Wie kommt diese Wirkung zustande? Was passiert dabei in unserem Körper?

Duftstoffe werden über die Nasenschleimhaut vom Riechepithel aufgenommen und über die Riechnerven und die Bulbi olfactorii weitergeleitet zum limbischen System. Dieses ist für Gefühle, Affekte und auch niedere Triebe zuständig. Hier können Düfte ganz unterbewusst auf den Menschen wirken. Deshalb werden Hotelfoyers beduftet, sodass sich der Gast wohlfühlt; Bekleidungsgeschäfte versuchen mit Düften, die Verweildauer im Laden zu verlängern. Dabei gibt es allerdings eine Grundbedingung: Der Duft muss unterschwellig sein. Sobald man ihn bewusst riecht, setzt die Hedonik ein: Gefällt oder gefällt nicht.

Aromakologie im Stern

Aromakologie und Duftwirkung sind zentrale Themen der Kneipp Produktentwicklung. Zugleich sind sie ein spannendes Wissenschaftsthema. Auch der Stern berichtete in seiner Ausgabe vom Oktober 2016 darüber.

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