Zugegeben: Die Vorstellung, dass sich auf unserer Hautoberfläche eine für uns unsichtbare Welt tummelt, verdrängen wir im Alltag eigentlich ganz gern. Doch diese Mikroflora trägt entscheidend dazu bei, unsere Haut gesund und damit strahlend schön zu halten. Die Rede ist vom sogenannten Mikrobiom, genauer dem Hautmikrobiom.

Dieses befindet sich auf deiner Hautoberfläche, also auf der Epidermis. Die Epidermis ist die oberste Schicht der Haut und besteht wiederum selbst aus mehreren mikroskopisch dünnen Schichten. Die äußerste Schicht der Epidermis ist die Hornschicht (Stratum corneum). Hier wird die sogenannte Hautbarriere gebildet, von der du sicher schon häufig gehört hast.

Die Hautbarriere arbeitet als deine persönliche Schutzhülle vor äußeren Einflüssen – und steht in direktem Wechselspiel mit dem Hautmikrobiom. 

Was ist ein Hautmikrobiom?

Das Mikrobiom umfasst alle Mikroorganismen, die in und auf deinem Körper leben. Entsprechend bezieht sich das Hautmikrobiom auf jene Kleinstlebewesen, die unsere Haut besiedeln. In dieser Lebensgemeinschaft gibt es drei bedeutende Charaktere: Bakterien, Viren und Pilze. Die meisten von ihnen sind vollkommen harmlos; sie unterstützen vielmehr sogar das gesunde Gleichgewicht unserer Haut.

Die Zusammensetzung dieses mikroskopisch kleinen Ökosystems ist so individuell wie der eigene Fingerabdruck. Jeder Mensch trägt also sein persönliches Mikrobiom mit sich.

Gute Bakterien auf der Haut: unsere nützlichen Mitbewohner

In Zusammenhang mit dem Hautmikrobiom stehen vor allem die Bakterien im Fokus. Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand leben allein auf der Haut über 1.000 unterschiedliche Arten.¹ Die einzelligen Mikroben haben einen eigenen Stoffwechsel und ernähren sich von Zucker, Proteinen und Fett. Um ihren eigenen Lebensraum, also unsere Haut, zu schützen, gehen sie auch gegen Eindringlinge und Konkurrenten vor. Das kommt uns natürlich zugute. 

Zu den häufigsten Vertretern unter den auf der Haut lebenden, nützlichen und sogenannten „guten“ Bakterien gehören die Staphylokokken. In ihrer Familie gibt es allerdings ein schwarzes Schaf: der Stapyhlococcus aureus.


Er ist meist harmlos und Teil der normalen Hautflora. Gelingt es diesem natürlich vorkommenden Keim jedoch, sich besonders stark auszubreiten, kann das zu Entzündungen der Haut führen.

Bakterien haben aus heutiger wissenschaftlicher Sicht also zwei Persönlichkeiten: gut und böse – Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Wenn die Lebensbedingungen und das Zusammenspiel der einzelnen Mikroorganismen in Balance sind, helfen Mikroorganismen und tragen alle zusammen zur Hautgesundheit bei. Wenn aber die mikrobielle Gemeinschaft aus den Fugen gerät oder sich die Lebensbedingungen auf der Haut negativ verändern, können Bakterien wie Staphylococcus aureus zu Mr. Hyde werden!²

Viren und ihr schlechter Ruf

Von den nützlichen Eigenschaften einiger Bakterien hast du vielleicht schon einmal gehört. Aber die Vorstellung, dass Viren auch ihre guten Seiten haben könnten, fällt schwer. Doch sie tragen zur natürlichen Balance des Mikrobioms bei. In und auf unserem Körper leben schätzungsweise 380 Trillionen Viren.³ Sie sind deutlich kleiner als Bakterien und haben im Gegensatz zu bekannten viralen Erregern wie Coronaviren, Grippe-Viren oder Ebola keine schädlichen Auswirkungen. Über ihre genaue Funktion im Zusammenspiel der Hautflora ist allerdings noch wenig bekannt.


Pilze auf der Haut

Auch mit Pilzen hast du wahrscheinlich weniger gute Assoziationen – zumindest, wenn sie sich statt auf dem Teller auf deiner Haut befinden. Pilze sind mehrzellige Mikroorganismen und deutlich größer als Viren und Bakterien. Sie gehören ebenfalls zu einem gesunden Mikrobiom. Ihr Anteil ist mit etwa 0,1 Prozent jedoch sehr gering; ihre Rolle für die Bewahrung gesunder Haut noch weitestgehend ungeklärt.³

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Was bewirken Bakterien und Co. im Mikrobiom?

Eine gesunde Haut verfügt über ein ausgeglichenes Mikrobiom mit einer Vielfalt verschiedenster Mikroorganismen. Sie bilden eine lebendige Schutzschicht für die Haut und wirken sich positiv auf die Gesundheit unseres größten Organs aus. So unterstützt das Hautmikrobiom den natürlichen Säureschutzmantel der Haut und verbessert damit die Funktion und Widerstandskraft der Hautbarriere. Mehr Informationen über den sogenannten Säureschutzmantel und den pH-Wert der Haut findest du in unserem Website-Beitrag:

Die Mikroorganismen unseres Hautmikrobioms hemmen darüber hinaus das Wachstum von Krankheitserregern, indem sie sich im Kampf um Nährstoffe und Lebensraum gegenüber Eindringlingen behaupten, beispielsweise gegenüber schädlichen Bakterien. Dazu produzieren sie antimikrobielle Moleküle. Doch damit nicht genug: Neben diesen „Abwehrstoffen“ erzeugt das Mikrobiom nützliche Substanzen für die Epidermis – darunter Lipide, die wiederum unsere hauteigenen Regenerationsprozesse positiv beeinflussen.

Mehr über die Funktion der Hautbarriere und den Einfluss der Lipide kannst du hier nachlesen:

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Wird die natürliche Balance des Mikrobioms gestört, sodass einige Bakterien die Oberhand gewinnen, gerät das empfindliche Gefüge aus dem Gleichgewicht.


Das kann zu Juckreiz, trockener Haut und Hauterkrankungen führen. So wurde beispielsweise festgestellt, dass die Haut von an Neurodermitis erkrankten Menschen ein verändertes Mikrobiom aufweist.⁴

Ursachen für Veränderungen im Mikrobiom

Veränderungen im Hautmikrobiom beeinträchtigen die natürliche Schutzfunktion deiner Haut. Doch was kannst du für eine gesunde Hautflora tun? 

Zunächst solltest du wissen, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms in gewissem Rahmen genetisch bedingt ist. Unser Alter spielt ebenfalls eine Rolle. Bei diesen beiden Faktoren haben wir natürlich wenig Handhabe. Das Ökosystem aus Bakterien und anderen Mikroben reagiert aber auch auf verschiedene Umweltfaktoren – und diese können wir beeinflussen. Ein Hebel ist unser Lebenswandel.

Den Bakterien geht es offenbar ein wenig wie uns: Sie mögen keinen Stress. Wir wissen heute, dass ein möglichst ausgeglichenes Leben und gesunde Ernährung zum Gleichgewicht unseres Mikrobioms beitragen. 

Negative Effekte auf unser Mikrobiom sind auch bei der Einnahme von Medikamenten festzustellen. Um Antibiotika kommt man natürlich nicht immer herum, sie sind bei bestimmten bakteriellen Infektionen unverzichtbar. Wir sollten uns dennoch bewusst machen, dass diese neben ihrem eigentlichen Ziel auch nützliche Bakterien abtöten können. Als Folge kann ein Ungleichgewicht unter den Bakterien entstehen; die Hautflora gerät außer Balance. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt es bei der Hautreinigung: Wer sich zu oft, zu heiß und mit zu intensiven Produkten wäscht, beseitigt nicht nur unerwünschte Bakterien, sondern bringt auch das Gleichgewicht des Hautmikrobioms in Gefahr.

Übrigens: Veränderte gesellschaftliche Strukturen beeinflussen unser Hautmikrobiom zusätzlich. Das Leben in großen sozialen Gemeinschaften mit vielen Familienmitgliedern, Körperkontakt und Kuscheln mit Oma, Opa, Mama, Papa, Schwestern, Brüdern, Katze, Hund und der Ziege im Stall hat auch die Zusammensetzung unseres Hautmikrobioms geprägt und vielfältiger gemacht. Der Austausch von Bakterien muss also nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sein. Mit dem Schrumpfen von Familien und Lebensgemeinschaften wird unsere Hautflora immer eindimensionaler und damit in ihrer Biologie negativ beeinflusst. Dies könnte auch eine Erklärung für die Zunahme von atopischen Erkrankungen und Allergien sein.⁵

Dein Mikrobiom, unsere Hautpflege: ein Perfect Match

Bei der Körperhygiene solltest du grundsätzlich auf eine sanfte und pH-hautfreundliche Reinigung achten: Nicht zu stark rubbeln, das Wasser nicht zu heiß aufdrehen und Reinigungsprodukte nutzen, die die Feuchtigkeit erhalten sowie den Hydrolipidfilm deiner Haut schonen. Bei empfindlicher Haut gilt es, noch mehr Sorgfalt walten zu lassen.

Spezielle Mikrobiom-freundliche Produkte erhalten das natürliche Gleichgewicht deiner Hautflora. In Kooperation mit unabhängigen Instituten haben wir nachgewiesen, dass die Kneipp Duschprodukte das natürliche Hautmikrobiom nicht beeinträchtigen.

Der Nachweis für unser Versprechen

Wie bei allen anderen Wirkversprechen, die wir geben, haben wir auch die sogenannte Mikrobiom-Freundlichkeit unserer Produkte nachweisen lassen. Die Kneipp Hautforschung nutzt hierfür in Kooperation mit unabhängigen Instituten moderne molekularbiologische Analyse-Tools zur 16S rRNA Gen-Sequenzierung. Das 16S rRNA Gen enthält einerseits hoch konservierte Bereiche, die bei allen Organismen – also auch bei Bakterien – gleich sind. Daran lässt sich das Gen für die Analyse erkennen.  

Ist das Gen erstmal erkannt, folgt der zweite Schritt. Es enthält neben den gleichbleibenden Bereichen nämlich auch sehr variable, evolutionsbedingt veränderte DNA-Sequenzen. Diese Regionen unterscheiden sich bei verschiedenen Organismen. Sie sind also charakteristisch für die einzelnen Organismen; und dazu zählen auch die Bakterien. Hat man das Gen also im ersten Schritt erkannt, lässt sich mit seiner Hilfe auch ermitteln, wie viele unterschiedliche Mikroorganismen auf unserer Haut leben. Deshalb ist die 16S rRNA Sequenz ein wunderbarer Erkennungsmarker zur molekulargenetischen Analyse der mikrobiologischen Vielfalt innerhalb des Hautmikrobioms.

Das Ergebnis der Untersuchungen: Nach Anwendung der Kneipp Duschen kam es bei den freiwilligen Probanden zu keiner Beeinträchtigung der mikrobiellen Vielfalt (Diversität) und Zusammensetzung (Abundanz) des Hautmikrobioms.

Quellen:

1) Grice EA, Kong HH, Conlan S, Deming CB, Davis J, Young AC; NISC Comparative Sequencing Program, Bouffard GG, Blakesley RW, Murray PR, Green ED, Turner ML, Segre JA. Topographical and temporal diversity of the human skin microbiome. Science. 2009 May 29;324(5931):1190-2. doi: 10.1126/science.1171700.

2) DeSalle R, Perkins SL. Welcome to the Microbiome: Getting to Know the Trillions of Bacteria In, On, and Around You. Yale University Press, 1st Edition, 2015

3) The secret life of skin; 18.04.2020: Back to basics: Bacteria, Viruses and Funghi

4) Reiger M, Schwierzeck V, Traidl-Hoffmann C. Atopisches Ekzem und Mikrobiom. Hautarzt. 2019 Jun;70(6):407-415. doi: 10.1007/s00105-019-4424-6.

5) Song SJ, Lauber C, Costello EK, Lozupone CA, Humphrey G, Berg-Lyons D, Caporaso JG, Knights D, Clemente JC, Nakielny S, Gordon JI, Fierer N, Knight R. Cohabiting family members share microbiota with one another and with their dogs. Elife. 2013 Apr 16;2:e00458. doi: 10.7554/eLife.00458.

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