Frau liegt im Bett, lässt ihre Arme vom Bett hängen und schaut in die Sonnenstrahlen.
 Frau liegt im Bett, lässt ihre Arme vom Bett hängen und schaut in die Sonnenstrahlen.
Warum Licht der Taktgeber unseres Körpers ist

Zirkadianer Rhythmus

Drehen wir die Uhr mal kurz zurück – weit vor die Erfindung der Uhr. Da waren Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit die zentralen Taktgeber für unseren Biorhythmus. Und auch wenn im Laufe der Zeit nicht nur Zeitmesser, sondern vor allem viele künstliche Lichtquellen hinzugekommen sind: Bis heute wirkt der Wechsel zwischen Tageslicht und Finsternis wie ein freundlicher Reminder an unsere ursprüngliche innere Uhr: Tageslicht am Morgen, jetzt darfst du wach werden. Jetzt wird es dunkel, Zeit zum „Runterfahren“. So simpel das klingt – dahinter steckt ein ziemlich ausgeklügeltes biochemisches Zusammenspiel. In diesem Beitrag erfährst du, welche Wirkung Tageslicht auf den Körper hat und wie eng unsere innere Uhr mit mentaler Gesundheit verknüpft ist.

Was man über den natürlichen inneren Takt wissen sollte

Frau liegt bäuchlings auf einem Bett mit ausgestreckten Armen vor sich und blickt zur Seite.

Zirkadianer Rhythmus

Unser in tausenden Jahren erworbener Tag-Nacht-Rhythmus wird auch zirkadianer Rhythmus genannt (von Lateinisch: „circa diem“, was „ungefähr ein Tag“ bedeutet). Als Teil unseres Biorhythmus läuft er also ungefähr im 24-Stunden-Takt ab und beeinflusst unter anderem Schlaf, Wachheit, Körpertemperatur, Stoffwechsel, Hormonproduktion und Stimmung. Dabei hängen Tageslicht und innere Uhr eng zusammen, da sich unser zirkadianer Tagesrhythmus seine Informationen über die Augen holt – vereinfacht gesagt darüber, ob es hell oder dunkel ist. Natürlich ist unser Körper durchaus in der Lage, auch ohne diese äußeren Hinweise zu arbeiten. Das Tageslicht hilft uns aber dabei, unseren Rhythmus immer wieder mit der Umwelt zu synchronisieren¹. Man könnte sagen: Die innere Uhr kann prinzipiell alleine laufen, stellt sich jedoch gern nach dem Licht.

Melatonin on, Melatonin off ...

Wie beeinflusst das Tageslicht unseren Schlaf-Wach-Rhythmus?

Die Sonne geht auf ... und wir werden langsam müde? In der Regel ist es bei uns Menschen eher umgekehrt (Nachtschichten oder durchfeierte Nächte mal ausgenommen). Den Hauptgrund hierfür liefert das berühmte „Schlafhormon“ Melatonin: Denn Melatonin und Sonnenlicht vertragen sich nicht besonders gut. Fällt helles Licht oder Sonnenlicht auf die Netzhaut, bleibt die Melatoninbildung niedrig. In der Dunkelheit der Nacht wird die Produktion dagegen angeregt. Während Melatonin Sonne und Co. also eher scheut, verhält es sich beispielsweise beim Hormon Cortisol andersherum: Sein Spiegel ist morgens natürlicherweise höher und fällt im Laufe des Tages ab. Obwohl es häufig nur als „Stresshormon“ gesehen wird, bringt Cortisol eine wichtige Wachmacher-Funktion mit: Es hilft dem Körper, aktiv zu werden. Zusätzlich schüttet unser Körper mit dem ersten Licht das Hormon Serotonin aus, das ebenfalls fit und munter macht².

Wenn die Nacht zum Tag wird:

Frau liegt schlafend in einem Bett mit Kissen und Bettdecke in einem Schlafzimmer mit Nachttisch und Lampe.

Der zirkadiane Rhythmus und unsere moderne Welt

Wer nicht gerade in einem Cottage in den schottischen Highlands oder an anderen Orten weit abseits der Zivilisation lebt, ist heutzutage regelrecht von Licht umzingelt: Straßenlaternen, Werbeschilder, Autos, Ampeln, Hochhäuser ... von überall her leuchtet es uns entgegen. Hinzu kommen noch die eigenen vier Wände, wo auch nach dem Ausschalten der Lampen oft noch lange keine Dunkelheit herrscht. Screens vom Smartphone bis zum Kühlschrank, Lichtpunkte an technischen Geräten – oder eben das viele künstliche Licht, das von draußen durch die Fenster dringt. Der zirkadiane Rhythmus kann darauf ziemlich verwirrt reagieren. So kam etwa eine wissenschaftliche Untersuchung 2019 zu dem Ergebnis, dass künstliches Licht in den Abendstunden den Schlaf bei Menschen negativ beeinflusst³. Eine besonders große Rolle spielt hier das blaue Licht. Es ist nicht nur im normalen Tageslicht enthalten, sondern auch im Licht von Smartphones, Laptops, Tablets und TV-Bildschirmen. Verwendet man solche Geräte bis kurz vorm Einschlafen, erhält unser Körper also gemischte Signale – etwa so, als würde jemand gleichzeitig „Schlafen!“ und „Aufstehen!“ rufen⁴.

Was hat der zirkadiane Rhythmus mit unserer mentalen Gesundheit zu tun?

Licht beeinflusst nicht nur, wann wir aktiv bzw. müde werden. Es steht auch in Verbindung mit Gemütslage, Antrieb und mentalem Wohlbefinden. Diesen Zusammenhang beschreibt zum Beispiel eine Studie, für die Daten von über 400.000 Menschen ausgewertet wurden. Demnach ließ sich für jede zusätzliche Stunde, die die Teilnehmer:innen tagsüber im Freien verbrachten, ein größeres Glücksempfinden messen. Gleichzeit neigten die Proband:innen zu weniger negativen Emotionen wie Angst, Sorgen oder Reizbarkeit⁵. Vielleicht hast du ähnliche Effekte schonmal bei dir selbst beobachtet – Stichwort Winterblues. Schließlich gibt es während der kalten Jahreszeit nicht nur weniger Tageslicht; wir halten uns auch öfters drinnen auf – was auf unsere Stimmung drückt. Also den Winter einfach irgendwie aussitzen und auf hellere Tage warten? Wir hätten da eine bessere Idee!

Vom Licht am Morgen bis zu regelmäßigen Schlafzeiten:

Frau liegt unter einer grauen Bettdecke in einem Bett und hat einen Arm über den Augen und lacht.

So unterstützt du deine zirkadiane Uhr

Natürlich können wir in unseren Breitengraden nicht einfach mehr Sonnenlicht herzaubern. Und den ganzen (Arbeits)Tag im Freien verbringen? Ist für die meisten von uns auch kaum machbar. 

Lichtblick: Schon mit kleinen Kniffen kannst du in puncto Biorhythmus dem Körper unter die Arme greifen: Einen guten Anfang machst du dabei am Anfang des Tages: kurz auf den Balkon, eine kleine Morgenrunde um den Block, zu Fuß zum Brötchenholen oder zur Arbeit ... all das leistet bereits einen wichtigen Beitrag zu einem normalen zirkadianen Rhythmus. Dazu braucht es übrigens keinen Sonnentag wie aus dem Bilderbuch. Selbst bei Bewölkung kann das Tageslicht seine positive Wirkung entfalten. Deshalb ist es auch eine prima Idee, seine Mittagspause ins Freie zu verlegen. Abends dagegen ist es ratsam, zuhause auf warmes, gedimmtes Licht zu setzen. 


Tipp: Selbstverständlich freut sich dein Tag-Nacht-Rhythmus, wenn du schon zwei Stunden vorm Zubettgehen Handy und Co. beiseite legst. Wer doch noch den ein oder anderen Blick auf seine mobilen Endgeräte werfen will, aktiviert am besten den Nachtmodus. So wird der Anteil an blauem Licht reduziert.

FAQs:

Fragen & Antworten rund um den zirkadianen Rhythmus

Aus schlafmedizinischer Sicht vermutlich schon. Allerdings empfiehlt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin nicht die Beibehaltung der (von vielen favorisierten) Sommerzeit. Stattdessen spricht sie sich für die dauerhafte Winterzeit aus, die man auch Sonnenzeit oder Normalzeit nennt. Wie beschrieben orientiert sich unsere zirkadiane Uhr stark am natürlichen Hell-Dunkel-Wechsel, den die Normalzeit am besten abbildet. Weichen wir durch eine Uhrumstellung künstlich davon ab, entsteht eine Art Konflikt zwischen unserer natürlichen inneren Uhr und dem vorgegebenen Takt des Alltags⁶.

Im ersten Moment mag der Gedanke naheliegen. Aber: Licht führt dazu, dass der Körper das Muntermacher-Hormon Serotonin ausschüttet. Wird es dann dunkel, erfolgt die Umwandlung dieses Serotonins in Melatonin. Eine Studie zeigt sogar, dass viel Licht am Tag zu leichterem Aufstehen und weniger Schlafproblemen führen kann⁷.

Grundsätzlich entsteht ein Jetlag immer dann, wenn die innere Uhr noch nach der alten Zeitzone läuft, während am neuen Ort ein anderer Tagesrhythmus gilt. Du fliegst zum Beispiel abends in Deutschland los und landest gegen Mittag in den USA. Obwohl jetzt dein zirkadianer Rhythmus Schlaf möchte, kann es besser sein, am Ziel erstmal einen ruhigen, aber wachen Tag zu verbringen. So unterstützt du deinen Körper dabei, sich auf den neuen Schlaf-Wach-Rhythmus einzustellen. Wichtig: Setz dich nicht unter Druck. Jetlag ist keine Schwäche, sondern eine völlig normale Reaktion unseres zirkadianen Rhythmus.

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